Der Gemeinderat der Marktgemeinde Klein-Pöchlarn hat in seiner Sitzung am 15. Dezember 2021 folgenden Beschluss gefasst:
Das Land Niederösterreich, im besonderen Mobilitätslandesrat Ludwig Schleritzko, möge dem immer wiederkehrenden Ansinnen die Donauuferbahn zu reaktivieren eine klare Absage erteilen.
Die Stärkung des öffentlichen Verkehrs als Mittel zum Schutz des Klimas und zur Bewältigung der Klimakrise ist den Vertretern der Marktgemeinde Klein-Pöchlarn klar und bewusst. Investitionen in den Ausbau von klimafreundlicheren Transport- und Verkehrsmitteln ist sicher ein richtiger Weg zur Reduktion der Treibhausgasemissionen.
Doch stellen wir die Frage ob Investitionen in den Bahnausbau (Neubau) automatisch und überall wirklich sinnvoll sind, oder ob nicht die jeweilige Situtation nach ökologischen ökonomischen Aspekten betrachtet werden sollte. Bevor über einen Neubau der Donauuferbahn im Abschnitt Hofamt-Priel, Persenbeug-Gottsdorf, Marbach an der Donau, Klein-Pöchlarn und Teilen Leibens politische „Energie“ verschwendet. Neubau auch deswegen, weil de facto in diesem Abschnitt weite Teile der ehemaligen Bahninfrastruktur nicht mehr vorhanden sind und auch raumordnungstechnisch die ehemalige Bahntrasse keine Bahn mehr darstellt, und daher das Eisenbahngesetz dort keine Gültigkeit mehr hat.
Die Marktgemeinde Klein-Pöchlarn hat Vor- und Nachteile der DUB sowie die historischen Veränderungen für sich beurteilt und aus diesem Grund diese Resolution im Gemeinderat verabschiedet, die sich klar und deutlich gegen eine neue DUB ausspricht.
Nachstehend unsere Begründungen:
Personenverkehr:
Die DUB wurde vor ungefähr 110 Jahren errichtet. Die Donau als „Barriere“ wurde damals mit Schiffen und Fähren überquert. Das hat sich mit dem Neubau von 3 Brücken im abgetragenen Abschnitt der DUB verändert. Die sehr viel einfachere Möglichkeit die Donau zu überwinden hat den Bereich nördlich der Donau im Nibelungengau noch stärker an den wirtschaftlich stärkeren Teil südlich angebunden. Der Personentransfer erfolgt nun über die Brücken an die starke Westachse über die Westautobahn, Westbahn, Bundesstraßen B1 und B3. Klein-Pöchlarn selbst, ist mit der Donaubrücke in wenigen Minuten an die Hochleistungstrecke der Westbahn und somit direkt und schnell mit Wien, St. Pölten, Linz usw. verbunden. Vergleich mit 200km/h – Richtung Wien/Linz – anstatt mit 30 bis 40 km/h durch dichtbesiedelte Ortsdurchfahrten über Krems/St.Valentin – Richtung Wien/Linz.
Durch die 3 Donaubrücken Melk, Pöchlarn und Ybbs/D. hat die Bedeutung der DUB in den letzten 50 Jahren so stark abgenommen das selbst der Schülertransport – Richtung Persenbeug, Melk oder Ybbs per Bus erfolgte und aktuell erfolgt. Ein Transfer mit der Bahn war damals schon wegen der notwendigen Transfers der Schüler aus dem Hinterland des südlichen Waldviertels kein Thema.
Fazit was den Personenverkehr betrifft – ist eine zusätzliche Ost/Westachsenverbindung aus unserer Sicht nicht notwendig weder wirtschaftlich noch ökologisch. Interessanter ist eine Verbesserung der Nord/Süd Verbindungen im Nibelungengau.
Gütertransport:
Der nördliche Teil der Donau im Nibelungengau hat ein bis zwei bedeutende Güter die mit der Bahn sehr gut transportierbar wären und sind. Holz und Gestein.
Das Holz aus dem Waldviertel könnte und kann nach wie vor über Weins mit der Bahn transportiert werden. Warum dies aktuell nicht stärker genützt wird, scheint daran zu liegen, dass die DUB den Transport mit sogenannten „Ganzzügen“ aktuell nicht ermöglicht. Viel spannender ist jedoch der Transport von Schotter über die Schiene durch das Hartsteinwerk Loja. Die Überlegungen mittels einer Seilbahn den Schotter direkt und über kurze Wege über die Donau auf der Westbahn zu transportieren – also mit einer fertigen vorhandenen Infrastruktur – finden wir als Gemeindevertreter sinnvoll und unserer Unterstützung Wert. Die Alternative mit dem Neubau der DUB – Güterzüge durch viele Ortschaften im dicht bevölkerten Siedlungsraum zu fahren, mit teilweise Abständen von nicht einmal 3 bis 5m zu Gebäuden, scheint aus unserer Sicht keine wirtschaftliche und ökologische Alternative zu sein. Die hier in die Ortschaften hingetragene Lärmbelästigung bekommt sicher keine breite Unterstützung durch die örtliche Bevölkerung.
Tourismus:
Mit der Bahn zum Heurigen in die Wachau und wieder zurück. Das war wohl für viele Nibelungengauer der einzige Grund einmal oder öfter im Jahr mit der DUB in die Wachau zu fahren. Überlegungen den Tourismus mit der Erhaltung der DUB zu stärken gab es viele, leider sah man auch hier, dass der Abschnitt im Nibelungengau, mit vielen Tunneln und Felswänden, in der Erhaltung besonders teuer war und man daher den genannten Anrainergemeinden die Weiterführung der DUB nur dann ist Aussicht gestellt hatte, wenn diese Gemeinden mitfinanzieren würden. Als zusätzliches Touristisches Highlight im Nibelungengau wäre die DUB sicher spannend, jedoch aus unserer Sicht viel zu teuer in der Erhaltung. Daher könnte hier eingespartes Geld in andere Projekte investiert werden.
Aus Sicht der Gemeindevertreter ist die DUB ein „totes Pferd“. Die immer wiederkehrende Forderung nach einem Neubau der DUB blockiert die Möglichkeit die freigewordenen Räume und Bereiche der Trasse und der Bahnhöfe in unseren Gemeinden zu nutzen.
Alle diese „Pro und Contras“ sind der Grund für die durch den Gemeinderat der Marktgemeinde Klein-Pöchlarn ausgesprochen Resolution gegen die Reaktivierung der DUB.
Mit freundlichen Grüßen
Der Bürgermeister
Ing. Johannes Weiß